Von den Mitgliedsstädten der Städteregion Ruhr 2030 werden neben den ausführlich dargestellten "Leitprojekten" [1] Masterplan Ruhr, [2] Regionaler Flächennutzungsplan und [3] Ruhrtal weitere Handlungsfelder bearbeitet, die im Stadtregionalen Kontrakt (siehe "[4] Städteregion allgemein") genannt werden oder durch aktuelle Entwicklungen einen besonderen Stellenwert für die interkommunale Zusammenarbeit erlangt haben.
Kennzeichnend für die flexible Vorgehensweise der Städteregion Ruhr 2030 ist deren Fähigkeit, innerhalb eines dynamischen Prozesses auf eine Vielzahl regional bedeutsamer Themenstellungen reagieren und diese in unterschiedlicher Form aufgreifen zu können.
Hierfür sind im Stadtregionalen Kontrakt sowohl die Inhalte ("Handlungsfelder für erste Leitprojekte sind…") als auch die Strukturen einer Zusammenarbeit ("Die Kooperation ist offen für andere Kommunen und sonstige regionale Akteure") bewusst offen gehalten worden.
Bei den im Stadtregionalen Kontrakt konkret genannten Leitprojekten
sind vor dem Hintergrund ihrer gesamtstädtischen und über lokale Grenzen hinausgehenden Bezüge verschiedene Akteure damit beschäftigt, im Spannungsfeld vorhandener Rahmenbedingungen tragfähige Konzepte für kommunale Gestaltungsmöglichkeiten zu entwickeln.
Im Bereich der Kooperativen Flächenentwicklung wurde zum Beispiel für das geplante Gewerbegebiet am Flughafen Essen / Mülheim an der Ruhr erfolgreich ein städtebaulicher Wettbewerb mit der Zielsetzung durchgeführt, auf der etwa 6,5 ha großen Fläche unter dem Leitbild eines zukunftsorientierten und ökologisch vorbildlichen Städtebaus Bürogebäude für innovative Technologie- und Dienstleistungsbranchen mit internationaler Ausstrahlung entstehen zu lassen.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter:
[5] http://www.muelheim-business.de/
Der Kernbereich des Ruhrgebietes zeichnet sich durch seine polyzentrale Stadtstruktur aus. Zwischen den Städten sind Räume entstanden, die die Lagequalität des Stadtrandes mit einer schnellen Erreichbarkeit der Stadtzentren verbinden. Andere Städte bieten attraktive Standorte nur noch in Randlagen an. Innerhalb der Städteregion Ruhr 2030 werden diese Qualitäten im Zentrum der drittgrößten Städteregion Europas angeboten
Im Landschaftsraum zwischen Jahrhunderthalle (Bochum), Zeche Nordstern (Gelsenkirchen) und Weltkulturerbe Zollverein (Essen) werden Standorte für Projekte entwickelt, die weit über lokale Grenzen hinaus, Impulse für die weitere Entwicklung geben können.
Weitere Informationen hierzu finden Sie unter:
[6] http://www.neue-schlosslagen.de/index.html
Das äußerst komplexe Handlungsfeld Migrationspolitik wurde auch. im Rahmen der gemeinsamen Bewerbung der vier Hochschulstädte Duisburg, Essen, Bochum und Dortmund zusammen mit dem RVR um den Titel "Stadt der Wissenschaft 2007" im Wettbewerb des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft intensiv bearbeitet. Die bei diesem Thema zu berücksichtigenden Probleme betreffen zahlreiche Bereiche öffentlicher Daseinsfürsorge und Möglichkeiten kommunaler Zukunftsgestaltung. Vielschichtigkeit und Bedeutung der offenen Fragestellungen lassen keine umfassenden Lösungsansatze aus einzelnen fachlichen Blickwinkeln zu und erfordern die dauerhafte Zusammenarbeit zahlreicher Akteure. Hieran wirken auch die Mitglieder der Städteregion Ruhr 2030 mit, um die historisch nachgewiesene Integrationskraft des Ruhrgebietes mit seiner Vitalität als Chance zur Stärkung der Region nutzen zu können.
Die notwendige Haushaltskonsolidierung beeinflusst seit Jahren nachhaltig die Handlungsspielräume der kommunalen Selbstverwaltung. Unter Beachtung entsprechender Vorgaben und Auflagen der Aufsichtsbehörden müssen alle Kernstädte des Ruhrgebietes mit den Auswirkungen unausgeglichener Haushalte und den Einschränkungen erforderlicher Haushaltssicherungskonzepte umgehen. Auch vor diesem Hintergrund sind in der Vergangenheit vielfältige interkommunale Kooperationen eingegangen worden, um Kosten senken zu können. Als Beispiele für entsprechende Aufgabenübertragungen können Zusammenschlüsse im Bereich der Abfallentsorgung, der Aus- und Fortbildung, der Datenverarbeitung, der Chemischen- und Lebensmitteluntersuchungsämter, der Feuerwehren und bei Beschaffungen genannt werden.
Haushaltskonsolidierung beschränkt sich aber nicht auf eine reine Betrachtung der Kostenseite sondern beinhaltet auch das Bemühen, durch eine zielgerichtete Inanspruchnahme öffentlicher Mittel Einnahmemöglichkeiten realisieren und eingeschränkte kommunale Gestaltungsmöglichkeiten weiter öffnen zu können. In diesem Zusammenhang ist auch das Bestreben zu sehen, auf lokaler Ebene entwickelte Projekte mit regionaler Bedeutung innerhalb der Städteregion Ruhr 2030 interkommunal abzustimmen und diese gemeinsame stadtübergreifende Klammer bei entsprechenden Förderanträgen deutlich zu machen.
Bei den Handlungsfeldern der Städteregion Ruhr 2030 ist die Kooperation nicht auf eine statisch festgelegte Zusammenarbeit innerhalb bestimmter Themenbereiche begrenzt. Zwischen den im Lenkungskreis vertretenen Beigeordneten findet ein kontinuierlicher Meinungsaustausch über aktuelle Entwicklungen in der Region statt, bei dem strategische Entscheidungen zum gemeinsamen Umgang mit dem sich eventuell ergebenden Handlungsbedarf getroffen werden. Als Beispiel hierfür ist die für das gesamte Ruhrgebiet bedeutsame Entscheidung über die Wahl zur europäischen Kulturhauptstadt 2010 zu nennen. Die Mitarbeit bei der inhaltlichen Gestaltung dieses besonderen Ereignisses ist vom Lenkungskreis als neues Aufgabenfeld aufgegriffen worden.
Weitere Informationen zur Kulturhauptstadt 2010 finden Sie unter:
[7] http://www.kulturhauptstadt-europas.de/
Weitere Aktivitäten wie der gemeinsame Auftritt bei überregionalen und internationalen Messen, sollen die Attraktivität und das Selbstbewusstsein der Region auch in Konkurrenz zu anderen Metropolregionen deutlich machen.
Die Städteregion Ruhr 2030 ist der Beweis dafür, dass ihr Motto "Kooperation aus Eigensinn" zu erfolgreichen Ergebnissen für die Gesamtregion führt und die Stärkung gemeinsamer Interessen nicht mit dem Verlust kommunaler Identität verbunden ist.